Verborgen von Miriam Müller

Für alle, die mich nicht kennen, hier ein kleiner Einblick in mein Leben, sozusagen als amüsante Anekdote, wie ironisch das Leben doch sein kann:

„Ich habe nichts zu verbergen!“, hatte ich Daniel noch vor wenigen Wochen amüsiert entgegengehalten, als er wieder einmal von dem Thema angefangen hatte. „Gläserner Bürger“, dass ich nicht lache. Einfache Worte, mit denen er versuchte, mich zu verunsichern und auf seine Seite zu ziehen. Das dachte ich damals.

Zukunft von Jessica Uwira

Mit Angst hatte es angefangen. Alles. Mein Leben, meine Jugend und auch dieser Abend.
Ich hatte Angst, als sie mir an meinem sechsten Geburtstag den Chip einpflanzten. Es wäre notwendig, hatte meine Mutter mir damals erklärt; meine Mutter, die noch aus einer Zeit stammte, in der es genügt hatte, sich mit einem Stück laminierten Papiers auszuweisen. Ich habe ihn einmal gesehen, diesen sogenannten Personalausweis, sie hatte ihn wiedergefunden nach all den Jahren, in denen sie ihn nicht mehr benötigt hatte.

Impulse von Marleen Pauls

Ich schlage die Augen auf und glaube für wenige Sekunden, Diana zwei Meter von mir entfernt, noch im Halbschlaf, röchelnd atmen zu hören. Vor sechs Monaten wäre ich jetzt leise aufgestanden, hätte die Bettdecke über mein Kopfkissen und die Vorhänge an die Ränder des Fensters gezogen, hierbei schützend vor dem einfallenden weiß blendenden Licht, aber die morgendliche sanfte Wärme genießend die Augen geschlossen und mich gefreut, so nicht den Stacheldraht vor unserem Fenster und über dem Zaun vor dem Gebäude sehen zu müssen.

Umwege von Klaus Kaffenberger

„.. holt bitte eure Hausaufgaben heraus und legt sie auf den Tisch, ich gehe gleich herum und kontrolliere sie.“
Montagmorgen, ich sitze in der Schule. Dem müde lauschend, was die Person dort vorne an der Tafel erzählt. Doch bereits das Wort Hausaufgaben reißt mich aus meinem dämmerlichen Zustand. In der Feierlaune des vergangenen Wochenendes habe ich glatt vergessen sie zu erledigen. Klipp klapp klipp klapp Immer lauter höre ich die Absätze meiner Lehrerin. Gleich wird sie hier sein und aufschreiben, dass ich meine Hausaufgaben nicht erledigt habe. Klipp Das darf nicht passieren, nicht schon wieder. Klapp Hektisch beginne ich nach einem Ausweg zu suchen. Ich sehe nach rechts, doch dort ist niemand; ich sitze am Fenster. Schnell schaue ich nach links. Ich sehe Sven, langsam dreht er sein Heft auf dem Tisch herum, bereit es kontrollieren zu lassen. Klipp Im Handumdrehen ziehe ich meinen Block hervor und beginne in krakeliger Schrift abzuschreiben. Nummer eins a... geschafft.. eins b... in Eile verwischt mein Ärmel das gerade Geschriebene, doch egal. Einfach nur weiter schreiben. Ich setze an zur letzten Ziffer „schreibst du gerade deine Hausaufgaben ab!?“ ein paar Worte stammelnd sehe ich nach oben. Frau Schmidt steht direkt vor mir. „Nein, ich.. ähm.. ich.. habe nur die Lösung vervollständigt. Hier sehen sie, ich habe einen Satz ergänzt, damit es schlüssiger wird“. Doch da greift sie schon nach dem Block und sieht auf dem ganzen Blatt den Glanz der frischen Tinte.

Was nun? von Tim Schätzke

„Wir sprengen sie in die Luft“, sagte Olaf und schlug mit dem Handrücken in seine flach ausgebreitete Hand. Es war ein kalter Herbstabend und wir saßen in der Werkstatt meines Vaters. Fünf Männer auf Stühlen. Ein Kreis – alle großen Männer saßen im Kreis, zum Beispiel König Arthur, alle momentan großen Männer drehen sich nur in diesem – der an diesem Abend seinen Anfang fand. Olaf, Jürgen, Christian, Ralf und ich. Olaf hatte noch ein bisschen Graß aus Eigenanbau dabei und Jürgen hatte eines seiner genialen grünen Kunstwerke gebaut. Die Neonröhre beleuchtete den jahrhundertealten Raum. Früher wurden hier Schränke und Tische gebaut, heute Tüten. Der Ofen bollerte vor sich hin, so als ob nichts anstünde.
„Und was machen wir dann?“, erwiderte Ralf, „wie stellst du dir vor, soll dann der Rest unseres Lebens aussehen? In ein und derselben Schule sollen wir diesen Sommer unser Abi machen.“
„Plakate“ schoss aus mir heraus. Olaf sah mich verdutzt an, „Wie originell“. „Der Laden wird am Donnerstag eingeweiht. Da sind mehrere hundert Leute“. Christian nutzte meine Redepause um die Idee auszubauen, „Und vor Allem auch hohe Tiere aus dem Kreis und die Presse. Besser können wir uns nicht Publik machen“.

Pressemeldung Freiheitsgedanken

FREIHEITSGEDANKEN
Der Hessiche Landesverband der Piratenpartei und der Culex-Verlag initiieren
freien Jugend-Literaturwettbewerb

Pressemeldung

Junge Menschen fühlen sich bedroht. Nicht etwa durch Gewalt oder Terror, sondern durch die Gesetze, die vorgeben, sie genau davor schützen zu wollen. Überwachung, Zensur und Abbau von Bürgerrechten. Leben unter Kontrolle. Gefilmt von Kameras, überwacht durch einen Staat. Das macht jungen Menschen Angst.

Einige wehren sich lautstark. Nehmen Teil an Demonstrationen, Mahnwachen oder treten in Parteien ein. Protest kann aber auch lautlos sein. Still.
Leise. Heimlich. Dem Begriff "Freiheit" literarisch zu begegnen und dem lautlosen Protest eine Stimme zu geben. Das ist das Ziel des Literaturwettbewerbes "Freiheitsgedanken". Junge Literaten aus Hessen können über Ihre Ängste schreiben und wir hören ihnen zu.

Gut einen Monat lang können interessierte hessische Nachwuchsautoren zwischen 15 und 26 Jahren ihre Texte einsenden. Eine aus Piraten, Literaten, Verlagsangehörigen und Germanisten zusammengesetzte Jury begutachtet die Texte und trifft eine Auswahl. Die Gewinnertexte werden in Buchform unter dem Titel "Freiheitsgedanken" im Culex - Verlag veröffentlicht. Die Texte der Autoren bleiben dabei unter Creative Commons Lizenz.

Über "Freiheitsgedanken"

Warum dieser Wettbewerb?
Viele junge Menschen fühlen sich durch die aktuelle Gesetzgebung bedroht. Sie werden, wie wir alle, auch in Ihrer Meinung, Ihrem Handeln und Ihrer Informationsbeschaffung durch Vorratsdatenspeicherung, Aufbau einer Zensurinfrastruktur, Verbot von Videospielen und weiteren Eingriffen in die Informationsfreiheit beschnitten. Ein Teil der jungen Menschen engagiert sich bei der Piratenpartei oder den Jungen Piraten, geht auf Demos, nimmt an Mahnwachen und Infoständen teil. Doch was ist mit den "Stillen" und "Leisen"? Die, die sich nicht heraus auf die Strasse wagen, um laut dagegen anzuschreien, wovor Sie Angst haben? Diesen jungen Menschen ist mit diesem Wettbewerb eine Stimme gegeben, um sich, Ihre Ängste und Ihre Träume von Freiheit zu äußern. In diesem Wettbewerb dürfen Sie ihren Freiheitsgedanken
laut Ausdruck verleihen und wir hör